„Wieso träumen wir noch von euch?“

„Komisch, ich habe heute Nacht wieder von den drei Herzen geträumt. Ich dachte, jetzt wo wir miteinander sprechen und zusammen leben, kommen keine Träume mehr“, überlegt Ida nach dem Aufwachen. Sie geht in das Zimmer von Marco und Lukas. Die beiden sind ebenfalls gerade wach geworden.

Ida krabbelt zu ihren Brüdern auf die Matratze in dem Zelt und sieht dort auch die drei gehäkelten Herzen liegen. „Ich habe heute Nacht wieder von euch geträumt“, sagt sie zu den drei Herzen. „Wir auch“, fügt Lukas hinzu. „Ich dachte, dass mit den Träumen wäre vorbei, seitdem ihr euch vorgestellt habt“, sagt Marco. „Was habt ihr denn geträumt?“, möchte Papa Herz wissen.

„Ich habe geträumt, dass du dich den ganzen Tag im Haus abarbeitest, damit es dem kleinen Herzen und Mama Herz gut geht. Du machst alles für sie, aber bekommst keine Hilfe. Dadurch bist du abends richtig erschöpft. Du hast nicht einmal mehr Lust in deinem Buch zu lesen“, erzählt Lukas.

„Bei mir war es Mama Herz, die den ganzen Tag aufräumt und sich darum kümmert, dass es dem kleinen Herzen und Papa Herz gut geht. Mama Herz wollte abends gerne mal in Ruhe ein Bad nehmen, aber selbst da seid ihr immer dazwischen geplatzt“, sagt Marco mit einem Blick zu Papa Herz und dem kleinen Herzen. Die beiden lächeln sich verschmitzt an.

„In meinem Traum musste das kleine Herz für die beiden anderen kochen, das Bett machen, aufräumen … ja sogar den Kamin hat es angemacht, damit den anderen beiden schön warm wird. Aber Papa und Mama Herz haben keine Anstalten gemacht, dem kleinen Herz zu helfen. Sie haben auf dem Sofa gesessen und sich dabei Musik angehört. Dabei würde das kleine Herz sich auch gerne einfach mal auf das Sofa setzen, die Beine hoch legen und sein Lieblingshörbuch hören“, berichtet Ida.

„Eure Träume klingen ja relativ ähnlich“, stellt Mama Herz grinsend fest. „Ja, so wie am Anfang der Adventszeit, als wir euch noch nicht kannten“, erwidert Lukas. „Was könnte das zu bedeuten haben?“, fragt Papa Herz. „Das habe ich mich direkt nach dem Aufwachen auch gefragt“, sagt Ida nachdenklich. „Ihr wolltet uns in unseren Träumen immer auf etwas aufmerksam machen“, überlegt Marco. „Ja, das stimmt und so ist es heute auch wieder“, sagt das kleine Herz. „Aber keiner von uns muss sich den ganzen Tag für die anderen abarbeiten. Wenn wir aus der Schule kommen, ist der Kamin schon am brennen und das Essen ist gekocht. Und aufgeräumt ist die Wohnung ebenfalls“, meint Lukas. „Die Wäsche hängt auch schon auf der Leine wenn wir wiederkommen und das Abendessen bereiten Mama oder Papa vor“, ergänzt Marco. „Die ganze Hausarbeit … meint ihr, dass die sich von alleine erledigt? Habt ihr selbstreinigende Wäsche, die sich sogar wieder alleine auffaltet und in den Schrank räumt? Oder habt ihr einen Zauber-Kochlöffel, der das Essen zubereitet? Und dann noch einen Aufräum-Roboter, der sich um den ganzen Haushalt kümmert?“, zählt Mama Herz auf. Die Kinder müssen lachen. „Nein, das gibt es ja alles gar nicht – obwohl es eine schöne Vorstellung wäre“, sagt Lukas. „Mama kümmert sich doch um alles. Sie möchte, dass es uns gut geht“, meint Ida. „Aber habt ihr euch schon mal gefragt, ob es ihr damit gut geht?“, möchte Papa Herz wissen. „Ehrlich gesagt nicht“, gibt Marco zu. „Es ist alles so selbstverständlich für uns. Es war immer so. Warum sollte es ihr damit nicht gut gehen?“, fragt Ida. „Naja, vielleicht würde sie sich gerne einmal mit euch zusammen hinsetzen und Musik hören oder Spiele spielen. Aber es gibt immer so viel Arbeit für eure Mutter, dass sie es gar nicht schafft“, gibt Mama Herz zu bedenken. „Habt ihr sie noch nie sagen hören, dass sie gerne mal wieder in Ruhe in die Badewanne oder Sauna möchte?“, fragt das kleine Herz. „Doch. Aber dann kann sie doch einfach gehen“, erwidert Marco. „Ist das wirklich so einfach?“, fragt Mama Herz. „Wir können es doch auch“, fügt Lukas hinzu. „Richtig, ihr könnt es, weil eure Mutter euch den Rücken dafür freihält. Wer macht denn in der Zeit das Abendbrot fertig oder sorgt dafür, dass man im Wohnzimmer wieder gemütlich sitzen kann? Seid ihr das, bevor ihr in die Wanne geht?“, möchte Papa Herz wissen. „Nein, das macht alles Mama“, gibt Ida kleinlaut zu. „Ihr habt recht. Der Traum war wirklich nötig. Es soll ja nicht nur uns besser gehen, sondern auch Mama und Papa!“, sagt Lukas. „Ja, wir sollten ihr mehr helfen. Wir könnten uns zum Beispiel um das Tisch decken und abräumen kümmern. Und unsere Sachen können wir auch selbst wegräumen, wenn wir sie nicht mehr benötigen. Wenn ich mich recht erinnere, sagt Papa das sowieso ständig zu uns“, fügt Marco augenzwinkernd hinzu. „Das klingt so, als hättet ihr den Traum verstanden“, sagt das kleine Herz glücklich. „Ja, das haben wir. Und ich finde es richtig gut, dass ihr euch auch darum kümmert, dass es Papa und Mama hier zu Hause noch besser geht“, freut sich Marco. „Vielleicht sollten wir direkt damit anfangen“, schlägt Ida vor.

Marco, Lukas und Ida schleichen am Elternschlafzimmer vorbei und gehen leise in die Küche. „Dann lasst uns mal den Tisch decken und die Kaffeemaschine anstellen“, sagt Marco. „Oh nein, die Teller sind alle in der Spülmaschine“, seufzt Lukas bei einem Blick in den Schrank. „Dann können wir ja als erstes die Spülmaschine ausräumen und nebenbei den Tisch decken. So macht Mama es doch auch immer“, schlägt Ida vor. Gesagt, getan. In kürzester Zeit decken die drei Kinder den Tisch, holen die Zeitung aus dem Briefkasten, zünden die drei Kerzen am Adventskranz an und stellen ihren Eltern eine Tasse Kaffee auf ihren Platz. Dann hören sie auch schon die Schritte von den Eltern die Treppe herunterkommen. Als Piet und Laura in die Küche kommen, wissen sie gar nicht, was sie sagen sollen.

„Wow, das ist ja mal eine gelungene Überraschung von euch!“, sagt die Mutter glücklich und bedankt sich bei Marco, Lukas und Ida mit einer Umarmung. „Das ihr sogar an meine Zeitung gedacht habt … vielen Dank“, freut sich auch der Vater. Marco, Lukas und Ida sehen sich zufrieden an. „Tja, manchmal bringen uns unsere Träume auf richtig gute Ideen“, sagt Ida geheimnisvoll und zwinkert dem kleinen Herz zu, dass sich neben die Kaffeemaschine gesetzt hat. Auch die Mutter schenkt den drei Herzen ein strahlendes Lächeln und flüstert ihnen ein „DANKE“ zu.

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