Die kleine Feldmaus findet neue Freunde

Die kleine Feldmaus Eddi ist sehr traurig. In der letzten Zeit hat sie eifrig Vorräte für den Winter gesammelt. Sie hatte Korn von den Feldern getragen, Nüsse im Garten gesucht, Weintrauben getrocknet und noch viel mehr. All diese Vorräte hat Eddi in sein Versteck gebracht, damit es ihm im Winter gut geht und er keinen Hunger leiden muss. Unglücklicherweise ist dieses Versteck in der Scheune … und dort ist jetzt eine Katzenfamilie zu Hause.

Eddi weiß nicht, was er machen soll. Denn wenn er zu seinen Vorräten geht, wird er bestimmt von den Katzen gefangen. Und wenn er nicht zu seinen gesammelten Vorräten gelangt, wird er verhungern. Eddi sitzt weinend auf einem Stein im Garten des Bauernhauses. Plötzlich hört er eine piepsige Stimme hinter sich: „Warum weinst du, kleine Feldmaus?“ Eddi zuckt zusammen, weil er so vertieft in seine Gedanken war. Er  dreht sich um und sieht eine große, braun-graue Hausmaus hinter sich stehen. Traurig sagt er: „Ich komme nicht mehr zu meinen Vorräten. In meiner Scheune leben jetzt Katzen. Und so habe ich im kommenden Winter gar nichts zu essen.“ „Das ist ja schrecklich“, sagt die Hausmaus. Sie überlegt kurz, bevor sie weiter spricht. „Ich habe vielleicht eine Idee, die dir gefällt. Aber zuerst möchte ich mich mal vorstellen: Ich heiße Elsa und wohne in dem Bauernhaus dort drüben.“ „Ich heiße Eddi“, entgegnet die kleine Feldmaus schüchtern. „Hallo Eddi. Was hältst du von der Idee, dass du mit mir in das Bauernhaus kommst? Dort ist es groß genug für uns beide und genügend Vorräte findest du dort auch. Außerdem hätte ich immer Gesellschaft und jemanden zum Spielen“, sagt Elsa. Eddi weiß gar nicht, was er sagen sollen. Viel zu überrascht ist er von diesem tollen Angebot. In einem echten Haus ist er noch nie gewesen. Dann antwortet er endlich: „Das wäre ja wirklich toll, Elsa! Aber ich weiß gar nicht, wie man sich in einem Haus verhalten soll. Ich habe mal gehört, dass die Menschen keine Mäuse mögen.“ „Du hast recht, Eddi. Die großen Menschen mögen keine Mäuse in ihren Häusern. Aber Kinder mögen alle Tiere, auch Mäuse. Die zwei Kinder, die in diesem Haus wohnen, kenne ich auch schon. Sie heißen Lisa und Heike. Sie spielen viel mit mir und bauen mir tolle Sachen“, schwärmt Elsa. Eddi ist überrascht, denn bisher hat er immer gedacht, das Menschen viel gefährlicher sind, als Katzen: „Du spielst mit den Menschen? Ist das nicht sehr gefährlich?“ Elsa lacht: „Die Kinder lieben mich und ich liebe sie. Ich weiß, dass sie mir nichts tun werden und das die zwei sich freuen würden, wenn du mitkommst!“ Eddi’s Herz pocht ihm bis zum Hals, denn das er mit Menschen in Kontakt kommen würde, ist für ihn sehr aufregend. Es ist eine Mischung aus Freude und Angst. Aber die positiven Gefühle überwiegen. „Ich komme gerne mit dir mit, Elsa“, sagt Eddi. Elsa strahlt über ihr ganzes Gesicht und die beiden Mäuse machen sich auf den Weg zum Haus.

Elsa klettert durch das gekippte Kellerfenster und die beiden neuen Freunde kommen in dem Vorratskeller des Hauses an. Eddi schaut sich um und weiß gar nicht, was er sagen soll. „Da staunst du, was?“, fragt Elsa. „So viele Vorräte habe ich noch nie auf einmal gesehen“, bringt Eddi stotternd hervor. Seine Augen wandern durch den Keller. In dem hinteren Regal stehen Einmachgläser mit Birnen, Pflaumen und Mirabellen. Daneben zahlreiche Gläser mit Apfelmus und Dosen mit unterschiedlichen Vorräten. Elsa ist seinem Blick gefolgt: „Die Vorräte, die du gerade betrachtest, sind für uns uninteressant, denn die Behälter können wir leider nicht öffnen. Aber sieh mal an die andere Wand!“, fordert sie Eddi auf. Jetzt bleibt Eddi der Mund offen stehen vor lauter Begeisterung. Er sieht Nudeln in Tüten, Nüsse, Chips, Plätzchen, frisches Obst und noch vieles mehr. „Das ist hier das Schlaraffenland für Mäuse!“, sagt Eddi begeistert und will direkt auf die Vorräte los stürmen. Elsa ruft erschrocken: „Halt, Eddi! Du kannst doch nicht einfach an die Sachen ran gehen. Dann merken die großen Menschen sofort, das hier Mäuse im Haus sind. Schau erst mal auf dem Boden, ob dort noch Krümmel liegen. Das bemerken die Menschen nie, wenn die fehlen!“ Eddi sagt kleinlaut: „Entschuldigung, Elsa! Ich habe nur so einen großen Hunger und habe das Paradies vor meinen Augen. Da habe ich wohl nicht mehr richtig denken können.“ „Ich passe auf dich auf, das habe ich dir versprochen. Und ich werde dir die Kunst des Überlebens in einem Menschenhaus beibringen! Jetzt stärke dich erst einmal und dann gehen wir zu den Kindern“, schlägt Elsa vor. Eddi findet tatsächlich viele Krümmel auf dem Boden und isst sich satt. „Das war ein Festmahl! Jetzt kannst du mir die Kinder vorstellen“, freut sich Eddi.

Elsa klettert an der Kellerwand hoch und gelangt an ein kleines Loch in der Deckenwand. Dort verschwindet die Hausmaus. Eddi folgt ihr aufgeregt. Der Weg, den die beiden nun laufen, ist zwischen zwei Zimmerwänden. Dort kann sie garantiert niemand entdecken. Eddi ist beruhigt, auch wenn der Tunnel sehr dunkel ist. Sobald die Augen der Mäuse sich daran gewöhnt haben, können sie sich gut vorwärts bewegen. Dann geht der Tunnel wieder an einer Wand hoch. „Gleich sind wir da“, flüstert Elsa. Eddi kann auch schon einen Lichtschimmer sehen. Dort muss der Ausgang aus dem Tunnel sein. „Am besten wartest du kurz hier, Eddi. Dann kann ich nachsehen, wer in dem Zimmer ist. Die Eltern von Heike und Lisa dürfen uns nämlich nicht sehen!“ Eddi’s Herz schlägt wieder schneller. Es fühlt sich verboten an. Aber mit Elsa an seiner Seite, wird ihm schon nichts passieren.

Elsa verlässt den Tunnel und schaut sich vorsichtig um. Dann sieht sie Heike und Lisa. Sie sitzen auf dem Fußboden und beugen sich gerade über einem Pappkarton. Dort packen sie Sachen hinein. Lisa bemerkt Elsa als erstes. „Schau mal, Heike! Da ist ja das Mäuschen wieder! Dann kann sie ja gleich unser neues Haus austesten, das wir gerade für sie gebaut haben“, sagt Lisa erfreut. Elsa freut sich schon, schaut sich aber erst noch einmal im Zimmer um und läuft zurück zu der Öffnung des Tunnels. Die Kinder sehen sich ratlos an, denn normalerweise kommt die Maus sofort, wenn sie mit ihr spielen wollen.

„Du kannst raus kommen, Eddi! Die Mädchen haben etwas für uns gebaut. Die werden gleich Augen machen!“, freut sich Elsa. Eddi kommt vorsichtig aus dem Versteck. „Da ist ja noch eine Maus! Oh, ist die süß. Die ist ja noch ganz klein!“, ruft Heike. Die beiden Mädchen strecken vorsichtig ihre Hände aus. Elsa kennt das bereits und klettert bei Lisa auf die Hand. Das Mädchen lächelt über das ganze Gesicht und streichelt Elsa liebevoll. Eddi zögert noch ein wenig. Dann klettert er auf die Hand von Heike. „Schau mal, Lisa. Sie kommt zu mir! Ist die klein. Und so warm!“, ruft Heike begeistert. Die Mäuse bekommen zuerst jede Menge Streicheleinheiten von den Mädchen. Dann sagt Lisa: „Sollen wir die beiden mal in unser selbst gebautes Häuschen setzen? Vielleicht gefällt es ihnen ja.“ So gelangen Elsa und Eddi in das Haus im Pappkarton. Zusätzlich zu den kleinen Gegenständen, wie eine Kokosnuss mit Loch oder eine selbst gebaut Holzbrücke, bekommen die beiden Mäuse noch Heu und kleine Papiertaschentücher als Bett dort hinein gelegt. „Komm, lass uns ein Nest bauen und es uns gemütlich machen“, sagt Elsa. „Das ist eine gute Idee“, sagt Eddi, der von den ganzen Erlebnissen sehr müde ist. Lisa und Heike schieben den Pappkarton unter den Schreibtisch, damit ihre Eltern die kleinen Bewohner nicht sehen können. Dann beobachten sie die beiden Mäuse bei ihrem Nestbau. Eddi und Elsa legen sich in ihr Nest und schlafen eng aneinander gekuschelt ein. „Das war der schönste Tag in meinem Leben. Ich bin so froh, dass ich Elsa kennen gelernt habe“, denkt Eddi, bevor er tief und fest einschläft.

 

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2 Kommentare

  1. Martha
    Supersüßr Geschichte! Sehr einfühlam und spannend geschrieben...gehen die Abenteuer der beiden Mäusefreunde weiter? Hoffentlich! :-)
    Hinterlass einen Kommentar 24. November 2017 at 07:08
    • Heike Klaas
      Dankeschön! :-) Die Abenteuer der beiden Mäusefreunde gehen noch weiter. Ganz bald ;-)
      Hinterlass einen Kommentar 24. November 2017 at 07:58

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